Transkript
Mein Mann ist Chemiker.Das passt ganz fantastisch.
Gibt es die eine universelle Formel für eine inklusive Stellenanzeige?
Ja und nein.Schwierig.Weil Stellenanzeigen eine Schwierigkeit haben, zumindest im deutschsprachigen Raum, haben wir immer noch das Thema, dass beim Stellentitel häufig männliche Titel mehr gesucht werden.
Das heißt, ich gucke mit meinen Kunden tatsächlich auf das Suchvolumen für einen Stellentitel, weil das sehr wichtig für die Auffindbarkeit der Stellenanzeige ist.
Wir packen dann dahinter dieses m/w/d, aber manche möchten auch gerne einfach, dass da ein Sternchen *in oder Doppelpunkt :in oder „Bürokaufmann/Bürokauffrau“, beides im Titel steht, was total verständlich ist und tatsächlich auch hilfreich ist.
Deswegen gibt es, glaube ich, nicht diese eine universelle Formel.
Was ich aber darüber hinaus einfach gerne mache, sind, Gender, Sternchen und Doppelpunkte komplett zu vermeiden.
Mein Lieblingsbeispiel ist, statt zu schreiben „Unsere Mitarbeiterinnen“ und Mitarbeiter, kann ich auch einfach schreiben „Unser Team“.
Es hört sich a) so deutlich netter an, einfach weil es schon mal viel inklusiver ist, dass es „unser Team“ ist, und auf der anderen Seite vermeidet es irgendwelche Genderdiskussionen.
Wichtig für mich ist, viele Unternehmen haben sich darüber bereits Gedanken gemacht und ich muss einfach wissen, wie die Formel ist, die dort genutzt wird.
Und darüber hinaus versuche ich eben, dass die Stellenanzeigen inklusiver werden,wenn ich merke, da ist so ein bisschen so ein Bias Kopf, der ist bei uns allen da,das ist völlig okay, wir sind alle Menschen.
Aber wir möchten ja trotzdem so viele Menschen wie möglich mit unserer Stellenanzeige ansprechen, die passen.
Und manchmal sind Kunden ein bisschen festgefahren.
Besonders gerne sehe ich das beim Thema Vollzeit und Teilzeit.
Da heißt es dann unbedingt, diese Stelle muss in 40 Stunden Vollzeit ausgeübt werden, weil es geht nicht anders.
Ich denke mir da so: „Sicher“. Meine Gegenfrage ist dann: Möchtest du, dass diese Stelle zwei Jahre unbesetzt ist oder möchtest du sie lieber wenigstens in Teilzeit, also mit 20 oder 30 Stunden besetzt haben und einen Teil der Aufgaben erledigt haben?
Weil dann ist ja wenigstens ein Teil der Aufgaben gemacht.
Also ich sehe da teilweise sehr, sehr große Augen.
Ich kann nicht alle überzeugen, aber einige kann ich tatsächlich überzeugen,dort zum Beispiel nachzuschrauben.
Oder auch bei den Anforderungen zu gucken: Ist das jetzt wirklich alles notwendig?
Oder auch: Schließen wir Menschen einfach aus mit unseren Anforderungen,obwohl die Anforderungen gar nicht stellenbezogen sind?
Also bei stellenbezogenen Anforderungen ist das völlig in Ordnung.
Da passen nicht alle Menschen rein.Es geht nicht darum, dass jeder Mensch diese Position besetzen kann,sondern es geht darum, schließen wir gerade unbeabsichtigt Menschen aus, obwohl sie den Job eigentlich gut machen könnten.
Wie schaut es da bei Kunden aus, wenn du jetzt mit deinen Kundinnen und Kunden sprichst?
Was sind dort so die Präferenzen, wenn wenn es darum geht, wie genau sollen die Stellenanzeigen formuliert werden, wenn es um Inklusivität geht?
Die meisten sind da total offen. Was heißt die meisten?
Also ich habe das Glück, ich arbeite mit meinen absoluten Wunschkunden zusammen.
Ich habe da wenig schlechte Erfahrungen gemacht.Den meisten ist es einfach nicht bewusst.
Und es gibt auch welche, also ein lustiges Beispiel ist, dass mal einer meinte:„Ich möchte bitte keinen Fußballfan.“ Also ich frage solche Dinge ab, wie soll die Person lieber Kaffee oder Tee trinken oder gibt es noch irgendwelche anderen Dinge?
Einfach, reinzuhorchen: Was sind so unterbewusste mögliche Kriterien, warum jemand in dem Gespräch zum Beispiel nicht genommen wird?
Einfach, weil die Person Tattoos hat, die falsche Haarfarbe oder was auch immer.
Und sich dieser Biases, dieser Vorurteile, dieser Unbewussten, bewusst zu werden, ist der erste Schritt.
Es gibt Studien dazu, dass Stellenanzeigen, oder der Großteil der Stellenanzeigen sehr männlich konnotiert formuliert ist.
Also dort werden so Sachen wie „durchsetzungsstark“ und was auch immer.
Das wird sehr, sehr männlich gesehen als Begriff und damit fühlen sich Frauen abgeschreckt.
Da gibt es sogar sogenannte Gender Decoder, die kann man im Internet suchen,finden, dort die Stellenanzeige kostenlos reinpacken und dann ist das Tool fähig, dort diese Wörter rauszusuchen und sagt dann: Ist die Stellenanzeige eher männlich oder weiblich konnotiert?
Bei meinen Stellenanzeigen, ich mache das dann auch gerne am Ende, da passiert das meistens nicht, weil die dann am Ende doch sehr neutral formuliert sind.
Und das Allerwichtigste ist, dass man sich der Anforderung bewusst ist: Was ist der Job und was muss die Person dafür können?
Und in dem Moment, wenn man sich auf die Aufgaben konzentriert und auf die Anforderungen konzentriert, in dem Moment konzentriert man sich eben nicht auf Haarfarben, Herkunft oder was auch immer sonst einen beeinflussen könnte.
